Sonne, Schweiz, Staub und ganz viel Musik
Haldem (hm). Es ist heiß an diesem Wochenende im Ilweder Wäldchen. Sehr heiß. Die Sonne brennt auf das Festivalgelände, die Wasserflaschen werden schneller leer als geplant und selbst erfahrene Festivalbesucher suchen zwischendurch ein schattiges Plätzchen. Aber sobald die ersten Töne von der Bühne kommen ist die Hitze einen Moment vergessen. Menschen springen, tanzen und singen. Wasser spritzt über die Menge.
Zum Auftakt des 50. Stemweder Open Air hätte das Wetter kaum sommerlicher sein können. So viele Festivalgäste strömten ins Ilweder Wäldchen, dass der Campingplatz kurzerhand erweitert werden musste. Aus dem Festivalgelände wurde eine bunte Zeltstadt, vor den Bühnen wurde getanzt und auf den Campingplätzen bis spät in die Nacht zusammen gesessen.

Bei 35 Grad war jede Abkühlung willkommen. Ehrenamtliche Helfer sorgten mit Wasserschläuchen und Spritzpistolen für Erfrischung. Der Durst war allerdings groß: schon am Freitag musste eine weitere Palette Wasser nachgeordert werden. „Die Leute sind einfach unglaublich durstig“, berichtete Lea Kemper, die ehrenamtlich mit anpackte.
Zum 50. Geburtstag wurde deutlich, warum das Stemweder Open er weit mehr ist, als eine Reihe von Konzerten. Es ist ein Stück Stemwede, Kulturgeschichte und für viele Besucher ein fester Termin im Sommer. Bürgermeister Kai Abruszat machte gemeinsam mit JFK-Vorsitzendem Klaus Riechmann und dem stellvertretenden Landrat Siegfried Gutsche deutlich, welchen Stellenwert das Festival inzwischen hat. „Stemwede ist Festival-Standort. Darauf sind wir stolz“, sagte Abruszat. Das Open Air bleibe, was es immer gewesen sei: „Ehrlich, besonders, umsonst und draußen“.

Getragen wird das Festival vor allem von den hunderten Ehrenamtlichen, die aufbauen, organisieren, Getränke ausgeben, Parkplätze regeln, für Sicherheit sorgen und anschließend wieder aufräumen. Dass das Festival bewusst anders funktioniert als viele kommerzielle Großveranstaltungen, wird hier deutlich: „Dieses Festival ist kein Geschäftsmodell. Es ist ein Herzensprojekt.“
Der Dank an die Helfer ist deshalb mehr als eine freundliche Floskel. Ohne sie würde es das Stemweder Open er in dieser Form nicht geben. „Ihr seid spitze“, richtet sich die Anerkennung an die vielen Frauen und Männer, die ihre Freizeit investieren und dafür sorgen, dass Tausende Gäste zwei Tage lang feiern können.
26 Bands standen bei der Jubiläumsausgabe auf dem Programm. Punk, Rock, Indie, Reggae, Rap, Metal und elektronische Musik wechselten sich ab. The Baboon Show, ZSK, Mal Élevé, Frittenbude, Slime, The Cutes, Trover und Truckfighters gehörten zu den großen Namen.

Dabei ist es gerade die Mischung aus bekannten Künstlern und weniger bekannten Bands, die das Festival seit Jahrzehnten zu einem Sprungbrett macht. Einige Musiker standen Stemwede schon auf kleinen Bühnen und spielen heute vor großem Publikum.
Doch zwischen den Konzerten passiert mindestens genauso viel. Auf den Campingplätzen werden Stühle vor die Zelte gestellt, Freunde treffen sich, Familien sitzen zusammen, irgendwo wird gekocht und wenige Meter weiter bereits zur nächsten Band getanzt. Kinder und Jugendliche waren ebenso unterwegs wie langjährige Festval-Fans. Bei „Kuhles für Kids“ warteten Spielmobil, Hula-Hoop, XXL-Seifenblasen und Kinderschminken. „Randale“ bringt Rockmusik für Kinder auf die Bühne. Straßenkünstler wie „Chapeau Bas“ und „Viktor Wahnsinn“ sorgten mit Walk-Acts, Hochstelzen und Zauberei für Überraschungen.

Am Sonnabend änderte sich das Wetter. Die Luft wurde zunehmend schwül, Nieselregen setzte ein und ging schließlich in einen gut zweistündigen Landregen über. Doch die Stimmung blieb davon völlig unbeeindruckt. Kurzerhand wurden an verschiedenen Ständen kostenlos Regencapes verteilt, die sich die Besucher überstülpten und es wurde einfach weitergefeiert.
Seit 1976 gibt es dieses Festival. 50 Jahre lang hat es Generationen zusammengebracht, Bands entdeckt, Freundschaften entstehen lassen und Musikfans aus Nah und Fern nach Haldem gelockt. Was einst als kleines „Umsonst und Draußen“ begann, ist heute eines der größten Festivals dieser Art in Norddeutschland. Und trotzdem ist eines geblieben: der Gedanke, dass Kultur keine Frage des Geldbeutels sein darf. Und so bleibt das Stemweder Open Air auch nach 50 Jahren vor allem eines: ein Festival, das von Musik, Gemeinschaft und den Menschen lebt, die es jedes Jahr aufs Neue möglich machen.
