LEVERN (hm). Wer künftig über das Leverner Mühlengelände spaziert, kann sich seinen persönlichen Museumsführer einfach aufs Smartphone holen. Mit dem neuen „Mühlenbot“ haben der Mühlenverein Levern und seine Partner einen digitalen Assistenten entwickelt, der Fragen rund um die historische Mühle, ihre Gebäude und das Gelände beantwortet – unkompliziert, jederzeit und direkt vor Ort.
„Wir haben nach einer Möglichkeit gesucht, Besuchern auch außerhalb unserer Veranstaltungstage die Gebäude und das Gelände näherzubringen“, beschreibt Dirk Huntemann, Vorsitzender des Mühlenvereins, die Idee hinter dem Projekt. Statt Hinweistafeln zu lesen oder lange auf der Internetseite zu suchen, genügt künftig ein QR-Code.
Die beiden Stemweder Maskottchen „Stemi“ und „Wedi“ begleiten Besucher auf Wunsch über das gesamte Gelände. Wer den Rundgang startet, kann sich Gebäude wie Remise, Speicher oder Mühle einzeln erklären lassen, erfährt Wissenswertes über die Windmühle, die Ferienwohnung oder das Trauzimmer und kann jederzeit eigene Fragen stellen.
Gerade diese Offenheit unterscheidet den Mühlenbot von klassischen Audioguides. Statt vorgegebener Menüs können Besucher frei formulieren: Warum drehen sich die Flügel? Wie funktioniert die Mühle? Wo befindet sich das Museum? Oder auch: Was gibt es bei Veranstaltungen zu essen? Der Bot antwortet verständlich und verweist bei aktuellen Informationen auf die Internetseite des Vereins. So bleiben die Angaben stets aktuell.
Bis der digitale Helfer einsatzbereit war, steckte allerdings viel Handarbeit im Projekt. Unterlagen wurden gesammelt, Dokumente digitalisiert und mit Informationen gefüttert. „Das war für mich auch ein Learning, wie Künstliche Intelligenz funktioniert. Da fällt nichts vom Himmel“, beschreibt Huntemann den Aufwand. Erst durch die sorgfältige Aufbereitung des vorhandenen Wissens könne die KI sinnvolle Antworten geben.
Unterstützung erhielt der Verein dabei von der KI-Beratungsagentur Xanevo. Gemeinsam mit Ansgar Rahmacher von der Deutschen Gesellschaft für Mühlenkunde und Mühlenerhaltung (DGM) wurden das System aufgebaut und die Inhalte strukturiert. Perspektivisch soll die Technik sogar anderen Mühlenvereinen zur Verfügung stehen. Die Idee: Jede Mühle könnte den Bot mit ihren eigenen Informationen ergänzen und zugleich vom gesammelten Fachwissen profitieren.
Technisch ist das Projekt ebenfalls ausbaufähig. Bereits heute lassen sich Videos oder 360-Grad-Rundgänge einbinden. Auch weitere Inhalte können jederzeit ergänzt werden. Zudem wollen die Verantwortlichen künftig auswerten, welche Fragen besonders häufig gestellt werden. So soll der Mühlenbot kontinuierlich dazulernen.
An allen Gebäuden weisen inzwischen QR-Codes auf den digitalen Begleiter hin. Besucher können von dort aus frei über das gesamte Gelände navigieren und zwischen den einzelnen Stationen wechseln. Finanziert wurde das Projekt durch das NRW-Förderprogramm „2000 × 1000 Euro für das Engagement“, ergänzt durch die Unterstützung von Xanevo und der Gemeinde Stemwede.
Ob der Mühlenbot gut angenommen wird, dürfte sich schon bald zeigen. Besucher hat das Gelände nahezu täglich und längst nicht nur an den bekannten Mühlentagen. Im vergangenen Jahr fanden dort rund 130 Veranstaltungen statt, hinzu kommen Schulklassen, Trauungen und zahlreiche Gäste, die die historische Windmühle besuchen.
Der Mühlenverein sieht den digitalen Assistenten deshalb nicht als Ersatz für persönliche Führungen, sondern als sinnvolle Ergänzung. Er soll neugierig machen, Wissen leicht zugänglich vermitteln und den Besuch der Leverner Windmühle um eine moderne, interaktive Komponente erweitern, ganz im Sinne des Vereinsmottos: Geschichte bewahren und gleichzeitig neue Wege gehen.


