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Wir sehen rot!

Wehdem (hm). Mit roten Handabdrücken, selbst gestalteten Bettlaken und einer eindrucksvollen Menschenkette haben am Donnerstag rund 150 Kinder und pädagogische Fachkräfte aus mehreren Stemweder Kindertageseinrichtungen ein sichtbares Zeichen gegen die geplante Revision des Kinderbildungsgesetzes (KiBiz) gesetzt. Die Aktion fand im Rahmen der landesweiten Protestwoche „Wir sehen rot!“ statt.

Beteiligt waren die Kitas Oppenwehe, Westrup sowie zwei weitere Wehdemer Einrichtungen. Die Kinder aus Oppenwehe und Westrup wurden mit Unterstützung des Busunternehmens Sandmöller kostenlos zur Veranstaltung gebracht, die anderen kamen zu Fuß.
Die Organisatoren setzten auf eine nachhaltige Symbolaktion. Vier große weiße Bettlaken wurden vor Ort mit roten Handabdrücken gestaltet. Anschließend versammelten sich alle auf dem Sportplatz zu einem großen Kreis um ein Holzgestell mit roten Karten. Die bemalten Bettlaken wurden auf dem Rasen ausgelegt und das entstandene Gesamtbild mit einer Drohne aus der Luft festgehalten.
Mit der Aktion wollten die Einrichtungen erneut auf ihre Sorgen hinsichtlich der geplanten KiBiz-Revision aufmerksam machen. Zwar wurden nach den ersten Protesten einzelne Punkte des Gesetzesentwurfs überarbeitet, aus Sicht der Kitas bleiben die zentralen Probleme jedoch bestehen.

Die größten Bedenken richten sich weiterhin gegen die geplanten Änderungen bei den Buchungszeiten und der Finanzierung der Kindertageseinrichtungen. Nach den Plänen des Landes sollen Eltern künftig ihre Betreuungszeiten flexibler gestalten können. Zusätzliche Buchungsmodelle sollen eingeführt werden. Die Einrichtungen befürchten jedoch, dass dadurch weniger Betreuungsstunden gebucht werden und ihnen entsprechend Einnahmen fehlen, obwohl Personal weiterhin in ausreichendem Umfang vorgehalten werden muss.
Vor allem kleinere Kitas sehen darin ein erhebliches Risiko. „Wenn die Finanzierung sinkt, bleibt uns möglicherweise nichts anderes übrig, als Stunden zu kürzen oder Fachkräfte durch günstigere Ergänzungskräfte in den Rand zu ersetzen. Genau das möchten wir aber vermeiden“, hieß es aus den Reihen der beteiligten Kitas.

Kritisch sehen die Kitas außerdem die geplante stärkere Unterscheidung zwischen Kern- und Randzeiten. Gerade die Bring- und Abholphasen seien wichtige Bestandteile der pädagogischen Arbeit. Dort entstünden viele Gespräche mit Eltern, die für die Entwicklung und Begleitung der Kinder von großer Bedeutung seien.
Zusätzlich befürchten die Einrichtungen einen erheblichen bürokratischen Mehraufwand. „Flexible tägliche Betreuungszeiten sind organisatorisch nur schwer planbar und erschweren die Personalplanung erheblich“, machte Stefanie Klepper von der Westruper Kita deutlich.

Die beteiligten Einrichtungen fordern deshalb eine langfristig auskömmliche Finanzierung, die sich stärker am tatsächlichen Bedarf orientiert. Berücksichtigt werden müssten unter anderem die Größe der Einrichtung, die Altersstruktur der Kinder sowie die tatsächlichen Personalkosten.
Mit ihrer Beteiligung an der landesweiten Aktion wollten die Kitas deutlich machen, dass sie sich weiterhin für bessere Rahmenbedingungen einsetzen für die Kinder, ihre Familien und die pädagogischen Fachkräfte. Die Botschaft des Tages war unmissverständlich: die Einrichtungen sehen weiterhin Rot und fordern Nachbesserungen an der geplanten KiBiz-Reform.

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